"Nachtarbeit" des Körpers

Während des Schlafs laufen im Körper zahlreiche Vorgänge ab Während des Schlafs laufen im Körper zahlreiche Vorgänge ab
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Verschiedene biologische Abläufe während des Schlafs

Der Schlaf unterliegt wie alle körperlichen Prozesse dem Biorhythmus. Ähnlich wie die Schlafzyklen, die sich in unterschiedliche Schlafphasen unterteilen lassen, verändern sich die Vorgänge im Körper im Laufe einer Schlafperiode.

Damit Schlaf überhaupt möglich ist, wird in der Zirbeldrüse Melatonin – auch Schlafhormon genannt – gebildet. Die Melatoninbildung beginnt am Anfang der Schlafphase, wenn es dunkel ist und die Augen geschlossen sind. Die Melantoninkonzentration im Körper ist während der tiefsten Tiefschlafphase am höchsten. Es wird vermutet, dass Melatonin als Botenstoff fungiert, der den Organen mitteilt, dass es dunkel ist und sie Ihre Aktivitäten in den „Nachtmodus“ schalten sollen.

Noch vor dem Einschlafen beginnt in der Regel die Ausschüttung des Wachstumshormons Somatropin. Diese erreicht nach der ersten Nachthälfte, etwa gegen 3 Uhr, ihren Höhepunkt. Somatropin wird in einem Bereich der Hirnanhangdrüse, dem Hypophysenvorderlappen, gebildet. Es ist nicht nur für das Wachsen von Kindern zuständig, sondern auch für das Wachstum von neuen Zellen von elementarer Bedeutung, ebenso wie zur Regeneration von Körperzellen zur Heilung von Wunden und dem Ersatz von Gewebeelementen. Darüber hinaus ist Somatropin für die Ausschüttung von energiehaltigen Substanzen verantwortlich, die sämtlichen Energie verbrauchenden Prozessen zur Verfügung stehen. Die Produktion von Wachstumshormonen stoppt nach der ersten Nachthälfte schlagartig.

Während der nächtlichen Ruhephase wird auch eine weitere Gruppe unterschiedlicher Hormone ausgeschüttet, die der Begriff Interleukine umfasst. Hier sind vor allem Interleukin 1 und Interleukin 2 zu nennen. IL 2 sorgt dafür, dass man im Schlaf nicht zu sehr auskühlt. Für das Immunsystem ist IL 1 so wichtig, weil es Entzündungsreaktionen verursacht die sich positiv auf die Arbeit der Leukozyten auswirken, die für die Bildung von Antikörpern im Krankheitsfall verantwortlich sind. IL 2 ist eine entzündungshemmende Immunstimulanz, welche die Bekämpfung von Entzündungen durch das Immunsystem regelt.

Auch die inneren Organe zeigen im Vergleich zum Tagesablauf während der Nachtruhe teilweise veränderte Aktivitäten: So sinkt z.B. die Atemfrequenz, man atmet langsamer und zugleich schwerer, weil sich der Ruhezustand auch auf die Muskulatur auswirkt. Dadurch werden auch die Bewegungen der Lunge eingeschränkt. Im Verdauungstrakt von Magen und Darm sowie der Leber erfolgt die Arbeit in einem „Zweischichtsystem“. Der Magen übernimmt die Tagschicht, der Dünndarm die Nachtschicht. Die Produktion von Magensäure hat ihren Höhepunkt am Abend. Während der Nacht wird so gut wie keine Magensäure gebildet. Erst am Morgen nimmt die Magensäureproduktion wieder richtig Fahrt auf. Das erklärt, warum spät am Abend genossenes Essen schwer im Magen liegt, da es nachts kaum verdaut werden kann. Der Darm, insbesondere der Dünndarm, ist während der Nacht hochaktiv. Während des Schlafes ist der Darm äußerst stark durchblutet. Er arbeitet langsamer als am Tag, ist dafür aber gründlicher. Zwischen ein Uhr und drei Uhr nachts ist die Leberaktivität im Körper am höchsten. Das heißt Entgiftung auf Hochtouren.

Während des Schlafens wird die Aktivität des Herz-Kreislauf-Systems um ca. 20 Prozent reduziert. Der Blutdruck und die Herzschlagfrequenz sinkt ebenso wie die Körpertemperatur, welche nachts bis zu einem Grad niedriger ist als am Tag. Bei einem normalen Schlafrhythmus ist das Herz-Kreislauf-System um 3 Uhr in der Nacht am wenigsten aktiv. Danach wird das System langsam wieder hoch gefahren, bis zum Aufwachen die normalen Werte erreicht sind.            

Sigrid Kern
(erschienen in Ausgabe 35, November 2017)

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