Problembilder bei Kindern lindern

Kinder erleben durch ihre Fantasie Geschichten und Bilder mit all ihren Sinnen Kinder erleben durch ihre Fantasie Geschichten und Bilder mit all ihren Sinnen
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Arbeit mit dem Unterbewusstsein als effektive Behandlungsform für kleine Patienten

Die Anforderungen, die bereits in jungen Jahren an Kinder gestellt werden, sind hoch. Leistungsdruck in der Schule und beim Sport, Gruppenzwang von Gleichaltrigen, ein straffes Freizeitprogramm, innerfamiliäre Konflikte und vieles mehr können zu einer permanenten Reizüberflutung führen und eine ständige Anspannung erzeugen. 

Dieser negative Stress kann bewirken, dass sowohl Körper als auch Geist aus dem Gleichgewicht geraten. Ängste, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, innere Unruhe, Nägelkauen, Bettnässen, Kopf- und Bauchschmerzen, psychische Anspannung, ADS, ADHS, sozialer Rückzug usw. können Folgen von chronischem Stress sein. Wenn medizinische Untersuchungen keinen Befund ergeben kann auch bei Kindern eine hypnotherapeutische Behandlung zur Linderung vieler der genannten Problembilder beitragen. 

Begründer der heute etablierten klinischen Hypnotherapie war Dr. Milton Erickson (1901-1980), ein amerikanischer Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut. Er verstand es, durch Geschichten und inneres Bildererleben bei den Menschen neue Denkprozesse und Lebensveränderungen zu bewirken. Die Hypnotherapie wurde im Jahr 2006 in Deutschland vom wissenschaftlichen Beirat für Psychotherapie als wissenschaftliche Therapiemethode anerkannt. Jedoch sind auch bei Kindern Kriterien zu beachten, die die Anwendung dieser effektiven Behandlungsform ausschließen. So gelten z.B. Asthma, Epilepsie, geistige Behinderung, Schizophrenie, Herz- und Kreislauferkrankungen und Psychosen als Kontraindikationen. 

Ein verantwortungsbewußter Therapeut wird sich somit durch ein ausgiebiges Vorgespräch sowie eine umfassenden Anamnese ein Gesamtbild über die körperliche sowie psychische Verfassung des kleinen Klienten verschaffen. Hypnose bei Kindern ist nicht das selbe wie bei Erwachsenen. Kinder haben noch ein anderes Bewusstsein und befinden sich bis zu einem bestimmten Alter auf einer anderen Stufe des Gehirnwachstums. Die therapeutische Hypnose funktioniert deshalb erst ab ca. dem 12. Lebensjahr. Bei jüngeren Kindern arbeitet man deshalb hauptsächlich mit Suggestiven, die ebenso intensiv auf das Unterbewusstsein wirken können wie eine reguläre Hypnose bei Erwachsenen. Kinder haben meist noch direkten Kontakt zu ihrem Gefühlsleben und erleben durch ihre Fantasie Geschichten und Bilder mit all ihren Sinnen. Sie verfügen noch über eine natürliche Neugier und sind offen für Neues. Sie haben noch die Fähigkeit, ihre gesamte Vorstellungskraft zu gebrauchen, und so ist auch die Märchentherapie und die Arbeit mit Metaphern ein gutes Mittel bei der suggestiven Arbeit mit Kindern. Wie beim Eintauchen in eine schöne Geschichte oder vertieft durch ein spannendes Spiel ist ein Trance-Zustand für sie noch etwas ganz Natürliches. Nach Forscher-Meinungen erreicht die hypnotische Aufnahmefähigkeit ihren Höhepunkt zwischen dem 8. und 12. Lebensjahr.

Bei Kleinkindern kann es sinnvoll sein, über die Mutter oder den Vater als Stellvertreter des Kindes zu arbeiten. Da Beziehungen zu Eltern ein „System“ im Leben des Kindes darstellen, kann bei der Stellvertretertechnik z.B. die Mutter oder der Vater selbst erspüren, was dem Kind fehlt oder was es belastet. Durch die Arbeit mit Geschichten, Metaphern, Suggestiven und das gezielte Setzen unterbewusst arbeitender Impulse können dem Kind Lösungswege aufgezeigt werden und ihm vermitteln, eigene Bedürfnisse und seinen Körper wahrzunehmen.

Wer seine Bedürfnisse kennt, sich selber gut spürt und Vertrauen in seine Fähigkeiten hat, ist in der Lage, gesund und selbstbewusst durch das Leben zu gehen und sich neuen Herausforderungen zu stellen.  

Tamara Mauerberger
(erschienen in Ausgabe 32, November 2016)

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