Alte Therapie in neuer Zeit

Durch Ansaugen der Haut werden Reize ausgelöst Durch Ansaugen der Haut werden Reize ausgelöst
© B. Langerspacher

Historisches Ausleitungsverfahren im Einsatz bei vielen Beschwerden

Bereits 3300 v. Chr. wurde das Schröpfen in Mesopotamien beschrieben. Auch im klassischen Altertum und der Chinesischen Medizin ist es seit jeher bekannt. Man ging davon aus, dass Krankheit auf ein Durcheinander der Körpersäfte zurückzuführen sei. Durch das Schröpfen sollte das Gleichgewicht der Körpersäfte und somit die Gesundheit wieder hergestellt werden. Heute kann man sagen: Alle Ausleitungsverfahren wollen Stoffe aus dem Körper beseitigen, die seine Gesundheit beeinflussen. 

Das Schröpfen zählt zu den äußerlichen Ausleitungsverfahren. Das heißt, es werden mittels Schröpfköpfen­ – kleinen Saugglocken aus Glas – auf der Haut Reize gesetzt, die durch Ansaugen der Haut und des Unterhautgewebes ausgelöst werden. Dadurch werden die Gefäße erweitert, die Durchblutung gefördert und der Lymphfluss sowie der Stoffwechsel angeregt. Schröpfen hat eine entschlackende und entgiftende Wirkung. Es kann besonders im Rückenbereich Verspannungen lösen und Schmerzen lindern. Aber es können auch über gezielte Schröpfzonen am Rücken innere Organe stimuliert werden. So eignet sich das Schröpfen auch bei Migräne, Menstruationsbeschwerden, Husten und Bronchitis oder rheumatischen Erkrankungen. Oft entsteht neben einem angenehmen, warmen Gefühl auch eine tiefe Entspannung für Körper und Geist. Die zum Teil verbleibenden „blauen Flecken“ sind eine gewünschte Reaktion. Es handelt sich um Blut oder Lymphe aus dem umliegenden Gewebe und sie verschwinden nach wenigen Tagen.

Bei Erkrankungen wie z.B. Neurodermitis, Ischialgien oder Gelenksentzündungen kann es sehr hilfreich sein, „nass“ zu schröpfen. Hierbei wird die Haut vor dem Aufsetzen des Schröpfkopfs ein wenig angeritzt. Dadurch kommt es lokal zur Entleerung einer kleinen Menge Blut, was meist sehr schnell zu einer Verbesserung des Wohlbefindens führt.

Die Schröpfkopfmassage ist eine Mischung aus Elementen der Massage und des Schröpfens. Sie wird von den meisten Patienten als sehr angenehm und entspannend empfunden. Zunächst wird der Rücken mit einem auf den Patienten abgestimmten Öl eingerieben, dann mit Hilfe eines Schröpfkopfs massiert. Dadurch werden die Gefäße erweitert und die Durchblutung gefördert. Der Lymphfluss wird angeregt und somit der Abtransport von Schlackenstoffen und die Entgiftung gefördert. Zusätzlich kann eine Tiefenentspannung erreicht werden. Die Schröpfkopfmassage eignet sich unter anderem zur Ausleitung über das lymphatische System, bei allgemeinen Rückenverspannungen, bei Kraftlosigkeit, bei Burnout, Nervosität, Schlafstörungen und wirkt unterstützend bei Kinderwunsch oder Abwehrschwäche. Nicht geeignet ist das Schröpfen u.a. für Schwangere ab dem 4. Monat, für Patienten die Blutverdünner nehmen oder die schwere Herzerkrankungen haben. 

Den Patienten wird empfohlen, nach jeder Behandlung sehr viel zu trinken. Dadurch können gelöste Schlacken und Stoffe besser abtransportiert werden.

Durch die Anwendung kann man es auch heute noch halten wie Paracelsus, von dem die Erkenntnis überliefert ist: „Wo die Natur einen Schmerz erzeugt, dort will sie schädliche Stoffe anhäufen und ausleeren. Wo sie dies nicht selbst fertig bringt, dort lasse man diese über die Haut heraus.“           

Barbara Langerspacher
(erschienen in Ausgabe 32, November 2016)

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