Auge stimuliert Gehirn

Mit schnellen Handbewegungen wird der Blick des Patienten horizontal hin und her geführt Mit schnellen Handbewegungen wird der Blick des Patienten horizontal hin und her geführt
© S. Tille

Neuartige Behandlung gegen Angst, Stress und Blockaden

 „Wingwave“ ist eine moderne Coaching-Therapie, die Ängste, Panikattacken, mentale Krisen oder Blockaden an ihrem Ursprungsort – dem Gehirn – beseitigt. Die Methode wurde vor 15 Jahren von den Diplom-Psychologen Cora Besser-Siegmund und Harry Siegmund entwickelt. Sie wird seitdem von entsprechend ausgebildeten Therapeuten erfolgreich angewendet.

Es klingt einfach: Durch gezieltes Bewegen der Augen kann das Gehirn so stimuliert werden, dass sich soziale Stresserlebnisse (Verlust, Trennung, Trauer) Traumata, Phobien, ein geringes Selbstwertgefühl oder Schmerzen deutlich lindern lassen. 

Normale Erfahrungen werden im Gedächtnis gespeichert, indem diese sortiert und mit bisherigen Inhalten verknüpft werden. Mentale Blockaden oder gar ein Trauma hingegen können vermutlich nicht normal einsortiert werden, sondern bleiben mitsamt den dazu gehörenden Sinneseindrücken separat gespeichert. Angst, Hilflosigkeit und oft körperliche Reaktionen wie Atemnot und Herzrasen sind die Folge. 

Ziel der Wingwave Therapie ist deshalb, die Erinnerung an das Trauma wie eine ganz normale Erinnerung ins Gedächtnis einzusortieren. Betroffene sollen sich nicht mehr wehrlos in die Situation zurückversetzt fühlen, sondern die Erinnerungen normal wahrnehmen und aushalten können und so zu einer schnellen, tiefgehenden und langfristige Lösung mentaler Probleme gelangen. Zu Beginn der Therapie werden mit dem Therapeuten die belastenden Ängste und Probleme besprochen. Bei der Suche nach dem zeitlichem Ursprung und Umstand des Problems hilft der Myostatiktest. Mit diesem Muskeltest wird vorher das genaue Thema bestimmt und nachher die Wirksamkeit der Intervention überprüft. Hierbei werden Daumen und Zeigefinger kräftig zu einem Ring geformt zusammen gepresst, während der Therapeut versucht, diesen Ring zu öffnen. Allgemein zeigt eine schwache Muskelantwort negative Gefühle, ein starker Muskeltest Ressourcen an.

In der Therapie wird nun der Patient gebeten, ganz bewusst an die Stresssituation zu denken und sich auf das damit verbundene Gefühl zu konzentrieren. Gleichzeitig führt der Coach mit schnellen Handbewegungen den Blick des Patienten horizontal hin und her. Der Patient gelangt dadurch in einen lösungsorientierten Kreativzustand, den das Gehirn sonst typischerweise im Schlaf in den Phasen intensiven Träumens (REM-Phasen: Rapid Eye Movement) initiiert. Das Rapid Eye Movement welches im Schlaf jede Nacht durchlaufen wird, dient der Verarbeitung von Erlebtem und trägt somit zum Abbau von Stress bei, so dass man tagsüber wieder mental belastbar, konfliktstabil und stressresistent ist. Geht man zu spät ins Bett, schläft zu wenig oder ist der Stresslevel einfach zu hoch, kann der Körper und die Psyche des Menschen während der Nacht nicht mehr alles verarbeiten. Man fühlt sich tagsüber nicht mehr in Balance. Die Folge ist eine Kumulation von Stress, Ängsten und Unkonzentriertheit. Mit Hilfe dieser Intervention können die logischen und emotionalen Aspekte des Erlebnisses bzw. die rechte und linke Gehirnhälfte wieder harmonisiert werden. In dieser Zeit ist das emotionale Zentrum (Amygdala) heruntergeschaltet. Der Neocortex (der stammesgeschichtlich jüngste Teil der Großhirnrinde – die Vernunftszentrale) kann die Situation jetzt bearbeiten und neu bewerten. 

Auf diese Weise ist es möglich, die negativen Emotionen, die sich im Gehirn wie eine blockierende Kruste gelegt haben, Schicht um Schicht abzutragen und aufzulösen. Wenn alle negativen Emotionen abgetragen sind, stellt sich ein Gefühl großer Erleichterung und Befreiung ein.

Wingwave-Coaching wird in den Bereichen Stress, Ängste, Phobien, Lampenfieber, Sportcoaching, Zahnarztbehandlungen und Erfolgscoaching eingesetzt.                         

Susanne Tille
(erschienen in Ausgabe 32, November 2016)

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