Zum Nutzen für Mutter und Baby

Bei Schwangerschaft und Geburt kommt dem Darm eine besondere Rolle zu Bei Schwangerschaft und Geburt kommt dem Darm eine besondere Rolle zu
© drubig-photo / fotolia

Schlüsselrolle für Darmbakterien besonders bei Schwangerschaft und Geburt

Für die Gesundheit haben Bakterien eine sehr große Bedeutung. Verdauung, Immunität und Vitaminhaushalt hängen von der Bakterienvielfalt ab. Ja sogar die gesamte persönliche Entwicklung und die Gefühle werden von Bakterien beeinflusst. Leider ist der moderne Lebensstil nicht sehr bakterienfreundlich und viele Menschen besitzen ein Ungleichgewicht an Darmbakterien. 

Einige Gründe dafür liegen in der schlechten Ernährung, am Bewegungsmangel und an Stresssituationen. Dadurch ist die Gefahr sehr groß, dass auch eine werdende Mutter ein großes Ungleichgewicht an Darmbakterien aufweist und dadurch eine stark veränderte Darmflora besitzt.

Hormonelle Veränderungen und verstärkte Stoffwechselvorgänge stellen den Organismus in der Schwangerschaft vor viele neue Aufgaben. Durch das Ausbleiben der Menstruation wird das natürliche Ausscheiden von Stoffwechselabfällen und Giftstoffen eingeschränkt. Der Grad der Verschlackung nimmt Monat für Monat zu und viele Schwangere klagen über Übelkeit, Pickel im Gesicht, Sodbrennen, Verstopfung, Blähungen und Hämorrhoiden. In schweren Fällen kann es zu einer Schwangerschaftsdiabetes oder einer gefährlichen Schwangerschaftsvergiftung kommen. Liegt also in der Schwangerschaft ein Bakterienungleichgewicht vor, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die werdende Mutter mit wichtigen Nährstoffen unterversorgt ist. Das heranwachsende Kind muss seinen Mineralstoffbedarf aus den Depots der Mutter beziehen. Die Folgen daraus: Knochen, Zähne und der Haarwurzelboden der Mutter werden entleert. Schwangerschaftsstreifen, Juckreiz und Hautpilze machen dann das Nährstoffdefizit auch noch sichtbar.

Der Darm ist nicht nur ein „Resteverwerter“, sondern nützt in vielfältiger Weise dem Körper. Durch Antibiotika, falsche Ernährung oder übertriebene Hygiene können sich die Anzahl der Bakterien erheblich reduzieren. Somit wird die gegenseitige Abhängigkeit der Darmbakterien schwerwiegend beeinflusst und vielen Krankheiten wird Tür und Tor geöffnet. Nach heutiger Kenntnis der Wissenschaft wird ein Ungleichgewicht an Bakterienarten und Mengen im Darm mit vielen Krankheiten in Verbindung gebracht, wie z.B. Dia­betes, Allergien, Asthma, Magen-Darm-Erkrankungen, psychischen Krankheiten, Multiple Sklerose und Autismus. Frauen mit Kinderwunsch starten also idealerweise mit einem optimal besiedelten Darm in die Schwangerschaft. 

Wird ein Kind auf natürlichem Weg durch Wehen auf die Welt gebracht, wird es durch den Geburtsvorgang vollständig mit einer Schleimschicht überzogen, die sich in der Scheide der Mutter gebildet hat. Die ersten Bakterienarten, die den Säuglingsdarm besiedeln, stammen aus dem Geburtskanal und setzen sich aus Vaginal- und Darmbakterien der Mutter zusammen. Verfügt die Mutter über ein ausgewogenes und natürliches Vaginal- und Darmmilieu, wird eine optimale Erstbesiedelung des Säuglingsdarms stattfinden können. Diese ersten Bakterien übernehmen gleich eine Reihe lokaler Funktionen. Sie „trainieren“ das darmeigene Immunsystem und erhöhen damit den Schutz vor schädlichen Keimen. Zudem beeinflussen sie das Immunsystem. Jede Störung bei der Besiedelung des Darms kann bei einem Neugeborenen zu einer Fehlbesiedelung führen. Stundenlange Schreiattacken und Unruhe werden oft durch Verdauungsprobleme verursacht, die bis zu ca. sechs Monaten anhalten können, dem Baby viel Schmerz bereiten und die Eltern regelrecht zur Verzweiflung treiben.

Man sollte also möglichst vor einer beginnenden Schwangerschaft für ein ausgewogenes Darmmilieu sorgen, damit man das Elternglück in vollen Zügen genießen kann.         

Marion Dandl
(erschienen in Ausgabe 31, Juli 2016)

Anzeigen