"Gegen jede Krankheit ein Kraut"

Die Kraft der Heilpflanzen kann für Tiere auf verschiedene Weisen genutzt erden Die Kraft der Heilpflanzen kann für Tiere auf verschiedene Weisen genutzt erden
Foto: Leitner

Phytotherapie und ihr Einsatz als probates Heilmittel in der Tiermedizin 

Früher war die Kräuterheilkunde eine reine Erfahrungs- und Erprobungswissenschaft. Erfahrungen wurden unter anderem dadurch gesammelt, dass man Tiere in ihrem Fressverhalten beobachtete. Man sah wie kranke Tiere bestimmte Kräuter fraßen und ihr Zustand sich deutlich besserte. Diese Kräuter wurden dann zur Heilung von Kranken eingesetzt. 

Auch heute fressen wildlebende Tiere Heilkräuter, um ihre Beschwerden zu lindern oder um Ihre Erkrankungen zu heilen. Ihre Instinkte und Erfahrungen haben sie über die Jahrtausende gelehrt, welche Pflanzen sie nutzen können. Auch ist es sehr interessant, dass eine vermeintliche „Giftpflanze“ zur rechten Zeit Krankheit heilen kann, obwohl sie dem Organismus eigentlich schaden würde, und Wildtiere ein Verlangen nach diesen Pflanzen haben, die sie, wenn sie gesund sind, meiden. 

Über die Jahrhunderte beschäftigten sich Gelehrte mit der Heilkraft von Kräutern, wie zum Beispiel Hippokrates, Paracelsus, Hildegard von Bingen oder Pfarrer Kneipp, von dem der Ausspruch überliefert ist: „Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen“. Klöstern bzw. den Mönchen hat man es zu verdanken, dass alte Kräuterschriften gepflegt und abgeschrieben wurden und somit erhalten blieben. Seit Anfang des 20.Jahrhunderts wird die Kräuterheilkunde als Phytotherapie (griechisch Phyto = Pflanze) bezeichnet.  

Als Hauptfuttermittel für Pferde gilt unumstritten Heu, bzw. Gras während der Sommermonate. Auf guten Pferdeweiden ist es den Tieren möglich, Wiesenkräuter selbständig nach eigenem Gusto aufzunehmen. Man kann immer wieder beobachten, dass Pferde zu verschiedenen Zeiten verschiedene Kräuter vermehrt fressen – eben dann, wenn ihnen genau diese Pflanzen gut tun. Deshalb sollte man auch vor allem während der weidefreien Zeit auf ein gutes, artenreiches Heu Wert legen. Denn auch beim Raufutter haben Pferde gute Möglichkeiten Pflanzen auszusortieren, die Ihnen nicht zusagen. 

Wegen der oft starken Wirkung von Kräutern sollte man diese nicht als Dauergaben anwenden, wie sie oft über Kräutermüslis oder ähnliches verfüttert werden. Auch im Fertigfutter für Hunde findet man mittlerweile eine Vielzahl an Kräutern. Heilkräuter benötigt der Organismus nicht auf Dauer, nicht in großen Mengen und schon gar nicht in einer Vielzahl. Man sollte sich beim Kauf von Futter nicht von dem guten Kräutergeruch verleiten lassen. Ein Pferd frisst Hafer auch gerne ohne Kräutermischungen. Diese werden besser ganz gezielt, am besten von einem Therapeuten verordnet, nach Bedarf zugefügt. 

Wissen um die Wirkung von Heilkräutern ist für ihre Anwendung unumgänglich. Als Beispiel ist die Urtica dioica/urens (Brennnessel) zu nennen, eine hervorragende Pflanze für eine Durchspülungstherapie bei Erkrankungen der ableitenden Harnwege, aber kontraindiziert bei Ödemen durch Herz- oder Niereninsuffizienz. Die Kraft der Heilpflanzen kann für Tiere auf verschiedene Weisen genutzt werden. In der westlichen Phytotherapie, wie sie uns z.B. durch Hildegard von Bingen überliefert wurde, in Form von Tees, Umschlägen, Salben etc., aber auch in der Klassischen Homöopathie in potenzierter Form. Nicht zuletzt steht die Idee der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) mit Kräutern in Form von Granulat. Insbesondere in der Klassischen Homöopathie und der TCM werden Kräuter differenziert eingesetzt. Husten z. B. ist nicht gleich Husten und wird deshalb nicht zwangsläufig mit den gleichen Pflanzen behandelt. Vielmehr sollte immer analysiert werden, welche individuelle Zusammensetzung für das jeweilige Tier sinnvoll ist. 

Mit ganzheitlichem Hintergrund behandelt man nicht die Krankheit, sondern das Tier! 

Heidi Leitner
(erschienen in Ausgabe 30, März 2016)

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