Berufskrankheiten nicht übersehen

Berufliche Belastung oft Ursache von Erkrankungen Berufliche Belastung oft Ursache von Erkrankungen
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Einigung mit Leistungsträger schafft Besserstellung der Situation

Zu den tragenden Säulen der Sozialversicherung gehört die gesetzliche Unfallversicherung. Sie ist eine Pflichtversicherung für abhängig Beschäftigte, der sich Selbstständige freiwillig anschließen können. Mitglied wird man durch das Eingehen eines abhängigen Beschäftigungsverhältnisses oder durch Vertrag mit der Berufsgenossenschaft, soweit man nicht abhängig beschäftigt ist.

Auf gesetzlicher Basis sind auch alle diejenigen Personen versichert, die im Rahmen ihrer Schulpflicht eine Schule oder einen Kindergarten besuchen, einer ehrenamtlichen Tätigkeit für eine gemeinnützige Organisation nachgehen oder bei Unfällen freiwillig helfen. Passiert einem in einem solchen Zusammenhang eine Verletzung oder erkrankt man aufgrund einer solchen Tätigkeit, so ist Versicherungsschutz durch die Berufsgenossenschaften gegeben. Dieser umfasst den Weg von und zu der Verrichtung, die versichert ist, aber auch alle Unfälle, die bei der Arbeit passieren. Neben Berufsunfällen sind auch Berufskrankheiten versichert, sodass man gerade in fortgeschrittenem Alter bei Erkrankungen der Lunge, der Verdauungs- und Ausscheidungsorgane oder des Skeletts immer auch darüber nachdenken sollte, ob die entsprechende Erkrankung nicht mit beruflichen Belastungen zusammenhängt. 

Beim Melden von Unfällen und Verletzungen ist es von entscheidender Bedeutung, dass dies möglichst bald durch das Aufsuchen eines Durchgangsarztes geschieht. Gewöhnlich ist es sehr schwierig, nach Wochen, Monaten oder sogar Jahren noch einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer dauerhaften Erkrankung oder Verletzung und einem Berufsunfallereignis herzustellen. Wichtig ist daher auch bei nicht so gravierend erscheinenden Verletzungen, den Durchgangsarzt aufzusuchen. Dies ist auch deswegen sinnvoll und angezeigt, weil kleinere Behinderungen sich mit Beeinträchtigungen aus anderen Unfällen kumulieren. So kann man trotzdem eine Verletztenrente erreichen, wenn man alle Unfälle zusammenzählt.

Nach einem Unfall erhält der Verletzte zunächst die volle Heilfürsorge durch die Berufsgenossenschaft. Er erhält als Lohnersatzleistung Verletztengeld. Im Gegensatz zum Krankengeld kann dieses auch länger bezahlt werden als das Krankengeld, wenn die Heilung länger dauert. Nach dem Ende des Verletzengeldes wird eine Verletztenrente bezahlt, wenn und soweit eine Minderung der Erwerbsfähigkeit von 20 Prozent oder mehr übrigbleibt. Diese Rente wird grundsätzlich auf Lebzeit bezahlt. Stirbt das Unfallopfer an den Folgen des Unfalls, so erhält der verwitwete Ehepartner eine entsprechende Rente. Dies gilt auch dann, wenn der Todesfall erst Jahre oder Jahrzehnte nach dem Unfall eintritt, aber ohne den Unfall nicht zustande gekommen wäre. Hier ist an die Wirkung schädigender Medikamente oder auch an psychische Erkrankungen zu denken, die auf einen Unfall zurückzuführen sind.

Für Streitigkeiten zwischen dem Versicherten und der Berufsgenossenschaft sind die Sozialgerichte zuständig. Es ist in diesem Zusammenhang sinnvoll, sich ggfs. über die Minderung der Erwerbsfähigkeit, die Leistung einer Verletztenrente oder auch nur über die Anerkennung eins Unfallereignisses als Berufsunfall oder die Einordnung einer Erkrankung als Berufskrankheit mit der Berufsgenossenschaft auseinanderzusetzten. Das Verfahren vor den Sozialgerichten als solches ist kostenfrei, man muss nur seine eigene Rechtsvertretung bezahlen, diese Bezahlung ist durch eine Rechtsschutzversicherung abzudecken. Typischerweise kann bei einem solchen Verfahren nur eine Besserstellung der eigenen Situation herauskommen, sodass das Prozessrisiko stets überschaubar erscheint.

Wer also von einem derartigen Ereignis betroffen ist, kann sich vertrauensvoll an einen Fachanwalt für Sozialrecht wenden, der ihm hier weiterhelfen kann.

Stefan Conrads
(erschienen in Ausgabe 30, März 2016)

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