Sanfte Form der Kommunikation

Panik auf dem Zahnarztstuhl: Medizinische Hypnose kann helfen Panik auf dem Zahnarztstuhl: Medizinische Hypnose kann helfen
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Medizinische Hypnose kann bei vielen Problemen helfen

Lange Zeit galt sie als Humbug. Heute belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien die Wirksamkeit der Hypnotherapie. Ängste, Schmerzen oder Sucht –  die Hypnose eignet sich zur Therapie von vielen Erkrankungen körperlicher und psychischer Natur. 

Gleißendes Licht, kaltschweißige Hände, ein trockener Mund: wer kennt das nicht, die Panik auf dem Zahnarztstuhl. Oftmals sind es Traumata aus der frühen Kindheit oder dem Säuglingsalter, welche gespeichert wurden und in der Gegenwart dazu führen, dass unser System nun auch in anderen Situationen genau so reagiert. 

Hier kann die medizinische Hypnose helfen. Sie stellt eine äußerst sanfte und effiziente Kommunikationsform dar, die den „inneren Wächter” zum Unterbewusstsein der kontrollierenden rechten Gehirnhälfte ausschaltet. Noch vor knapp 40 Jahren zählte Hypnose zu den exotischen Verfahren. Heutzutage und spätestens seit der Geburt des ersten britischen Nachfolgers mit hypnotischer Unterstützung, wird diese Methode mehr und mehr nachgefragt. Es ist ein nach Innen gerichteter Bewusstseinszustand äußerster Konzentration. Atmung, Herzfrequenz und Pulsschlag verlangsamen sich. Hypnotisierte erleben sich als hellwach und positiv sensibilisiert für seelische Erlebnisse und Bilder. Mit den Schauergeschichten von Manipulation und unfreiwilligem Verhalten hat die klinische Hypnose nichts zu tun. Diese Mythen rühren von der den meisten bekannten „Showhypnose”. Doch niemandem kann gegen seinen Willen etwas suggeriert werden. 

Hypnose eignet sich bei gegebener Indikation für alle Klienten, die auf effiziente Art und Weise größtmögliche Erfolge erzielen wollen. Dabei gehören nicht nur körperliche Beschwerden wie Schmerzlinderung, Migräne, Allergien, Krebs zu den häufigsten Einsatzgebieten, sondern mittlerweile gilt die Hypnose bei Ängsten, Panikattacken, Phobien, Sucht und Depression als hocheffizient. Die Vorgehensweise dabei ist symptomorientiert. Dies bedeutet, dass das Symptom als Ressource genutzt wird. 

Beispielsweise sind Angst oder Schmerz in bestimmten Situationen sinnvolle Reaktionen. In der Gegenwart haben sie jedoch ihren Bezug verloren. In der Hypnose können diese Symptome wiederum als Verbündete betrachtet und mit ihnen gearbeitet werden. Löst man diese Gefühle im Unterbewusstsein und schaltet damit die verknüpfte Erregbarkeit dieser Hirnregion ab, entkoppeln sich Kopf und Gefühl wieder.

Ein junger erwachsener Mann, der panische Angst vor dem Tauchen im Wasser hat, erlebte in einer Hypnosesitzung als 1Jähriger sein Trauma. Er war seinem Großvater in der Badewanne entglitten und aus Versehen mit dem Kopf für kurze Zeit unter Wasser geraten. Dem Baby passierte nichts, aber der Anker war gesetzt. Das Symptom Angst war für den Einjährigen lebensnotwendig, in der Gegenwart hatte es jedoch für den jungen Mann völlig den Bezug verloren und er litt nun nur noch unter dem Symp­tom (unter Wasser = Angst).

Auch in der Schmerzkontrolle zählt die klinische Hypnose zu den ältesten und effektivsten Methoden. Schmerz entsteht durch bestimmte Verschaltungsmuster im Gehirn. Dieses Verschaltungsmuster muss aufgebrochen und ein neues Muster eingeübt werden. 

Die Dauer einer Hypnosebehandlung ist von dem vereinbarten Ziel der Behandlung, der Art und Dauer der Erkrankung der Patienten abhängig. Bei Kindern genügt oft schon eine Sitzung bei Problemen wie Konzentrationsstörungen, Prüfungsängsten oder Bettnässen. Bei Gewohnheitsänderungen wie Nägelkauen, Rauchen oder Gewichtsreduktion kann man durchschnittlich mit zwei bis drei Behandlungen rechnen.                     

Susanne Tille
(erschienen in Ausgabe 30, März 2016)

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