Winter mit allen Sinnen

Einen Schneemann zu bauen kann großen Spaß bereiten Einen Schneemann zu bauen kann großen Spaß bereiten
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Die kalte Jahreszeit kann einen ganz eigenen Reiz vermitteln

„Wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte einfach fünf Minuten!“ So sagt man in Irland, wo das Wetter sehr schnell wechselt und kurz nach strömendem Regen die Sonne wieder scheint. Hier im Chiemgau ist das nicht so. Regen- und Schneetage sind unausweichlich. Doch auch sie sollten niemanden davon abhalten, an die frische Luft zu gehen. Mit der richtigen Kleidung kein Problem und besser sogar: ein Quell für die Gesundheit. 

Der Wechsel von Wärme in die Kälte und von der trockenen Heizungsluft hin in die durch Regen gewaschene oder durch Schnee und Kälte klare Luft, unterstützt den Körper dabei, seine Selbstheilungskräfte und das Immunsystem zu aktivieren und intakt zu halten. Gegen Dauertief und Winterblues hilft nichts besser, als Licht zu tanken. Das gelingt auch dann, wenn der Tag trüb ist. Je mehr Licht vorhanden ist, desto mehr von dem Glückshormon Serotonin bildet der Körper natürlich. Aber auch an weniger lichthaltigen Tagen wird Serotonin gebildet, das zu Ausgeglichenheit beiträgt. 

Nun hat nicht jeder einen Hund, der ihn zum Rausgehen zwingt und auch Wintersport ist nicht jedermanns Sache. Ein Spaziergang ist aber immer machbar und nicht minder wertvoll. Er bietet Jung und Alt sogar eine ungeahnte Möglichkeit: Die Aufmerksamkeit. Mit wetterfester Kleidung ausgestattet, kann man mit allen Sinnen erleben, was die Natur und das Umfeld auch im Winter an Reizvollem schenkt. Wer einmal mit allen Sinnen den Regen gehört und beobachtet, auf der Haut gespürt und die durch ihn gezauberten Düfte gerochen hat, möchte dies sicherlich nicht mehr missen. Ein Garant für viele Spaziergänge bei fehlender Sonne! Langweilige Pflichtspaziergänge bei Schmuddelwetter muss es nicht geben, denn in Pfützen und Rinnsalen kleine Papierschiffe starten zu lassen, ist Freude pur. Kinder lieben es, in Pfützen zu springen und im Matsch zu wühlen und man sollte ihnen diese sinnliche Erfahrungen nicht verwehren. Wenn man Regenwetterspiele mit seinen Kindern oder Enkeln gemeinsam spielt, freuen sich die Kinder über die Teamarbeit und man holt sich gleichzeitig eine wunderbare Kindererfahrung zurück. 

Auch der Winter bietet ungeahnte Sinnesfreuden. Wenn man nur aufmerksam ist, kann man sie aufnehmen. Gern schaut man mit bleichen Wangen gelangweilt aus dem Fenster, sieht den Winter und bleibt im warmen Zimmer. Weil man sich dadurch aber besonderer Vergnügen beraubt, sollte man sich aufmachen und sich für die Besonderheiten des Winters öffnen. Fühlen kann man die schmelzenden Schneeflocken auf der Haut und auch die Kälte. Der Geruch des Winters ist ein eigener – ein reiner, frischer Duft. Man hört den Schnee unter den Füßen, egal wie seine Konsistenz sein mag. Glitzernder Schnee rieselt von den Ästen, fällt leicht und flockig oder auch wild brausend auf die Erde, wo er eine Fläche hinterlässt, die vom Wind, der Temperatur und auch den eigenen Füßen geformt wird. In solchen Momenten gibt es nichts zu tun, als die Eindrücke einfach nur zuzulassen. Sie sind in der Lage zu verzaubern. 

Wenn Kinder dabei sind, wird es zu einem großen Spaß im Schnee zu rennen, Vögel oder Eichhörnchen zu beobachten oder einen Schneemann zu bauen. Stunden im Freien zu genießen tut so gut. 

Das nächste Vergnügen folgt auf den Fuß. Man nimmt all die wunderbaren Eindrücke mit nach Hause. Es ist Zeit zu kuscheln. Kaffee oder Kakao duften und wärmen von innen. Fröhlichkeit breitet sich aus. Und dann kommt der Moment, wo man mit roten Wangen und leuchtenden Augen aus dem Fenster blickt, den Winter beobachtet und sich auf die nächste Begegnung mit ihm freut.            

Cornelia Mittermeyer
(erschienen in Ausgabe 35, November 2017)

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