Auf dem Einrad in die "Mitte"

Einradfahren macht Spaß und ist ein wunderbares Training für den ganzen Körper Einradfahren macht Spaß und ist ein wunderbares Training für den ganzen Körper
© Ramona Heim / fotolia.de

Mit einer schönen Sportart kann man zu ganzheitlicher Balance finden

Wenn Jemand auf einem Einrad vorbei radelt, ist eine zauberhafte, innere Balance spürbar, die sich offensichtlich beim Fahrer dieses Gefährtes im Außen manifestiert hat. Da der Frühling zu Unternehmungen im Freien einlädt, kann man jetzt sofort damit anfangen, diese faszinierende Balance in sich zu suchen. 

Dazu braucht man nicht viel. Zunächst einmal natürlich das Einrad, das zur Körpergröße passen muss. Diese Sportgeräte gibt es für Personen ab ca. einem Meter Körpergröße. Nach oben sind kaum Grenzen gesetzt. Das gilt, sofern man gesund ist, auch für das Alter. Um sich nicht durch Unfälle beim Einradfahren zu gefährden, benötigt man eine Schutzausrüstung, zu der neben einem Helm auch Fahrradhandschuhe und Gelenkschützer gehören. Insgesamt gilt das balancierte Fahren auf nur einem Rad zu den ungefährlichen Sport­arten. Zwar gibt es gerade am Anfang den einen oder anderen Sturz. Jedoch ist die Sturzhöhe sehr gering und auch die Geschwindigkeit hält sich sehr in Grenzen, wenn man neu mit diesem Freizeitvergnügen beginnt. 

Von den anfänglichen Problemen lässt man sich natürlich nicht entmutigen. Wer sich kleine Ziele steckt, kann diese erreichen und sich damit stark motivieren. Das Aufsteigen lässt man sich im besten Falle von einem Könner auf dem Gebiet zeigen. Falls dies nicht möglich ist, kann das Einradfahren aber auch selbsttätig erlernt werden, denn es handelt sich dabei um eine Betätigung, die man sich intuitiv erarbeiten kann. Für die Balance beim kunstvollen Radeln ist es von Vorteil, wenn man bereits eine andere Sportart ausübt, für die Gleichgewichtssinn von Nöten ist, wie z. B. Slacklinen oder Skateboard fahren. Eine Grundvoraussetzung ist das aber nicht. Könner behaupten, dass man selbst als unsportlicher Laie innerhalb von zwei Übungsstunden so weit die Kontrolle über den Geist und den Körper gewinnt, dass man ca. 10 m freihändig fahren kann. Wenn man länger braucht, ist dies kein Beinbruch. Schließlich sucht man nach seiner „Mitte“ und sollte dies in seinem eigenen Tempo tun. Anfangs fährt man am besten an einer Wand oder einer Hecke entlang, wo man sich bei Bedarf abstützen kann. Auch zwei Personen, die links und rechts neben einem her laufen, können als Hilfe dienen. Wichtig dabei ist, dass man sich niemals festhält, sondern sich nur so viel, wie es im jeweiligen Moment nötig ist, abstützt. Auf diese Art und Weise wird man sich innerlich und auch äußerlich festigen und ausgleichen. Der Zappelakt wird mehr und mehr zu einem ausbalancierten Geschehen. Die Bewegungen werden runder und ruhiger, Balance geschieht in einem und schenkt Sicherheit. Man fühlt sich geerdet und ruhig in seiner „Mitte“. Das ist der Punkt, ab dem man das Gelernte nicht wieder vergisst. Sobald man etwa 10 m ohne Hilfe fahren kann, übt man ohne diese weiter, um das Können auszubauen. An einem sicheren Ort kann man nun seine Fertigkeiten festigen und erweitern. Auch in dieser Übungsphase wird man bemerken, dass die Stärkung der „Mitte“ körperlich und seelisch passiert. Jeder klei­ne Schritt auf dem Weg zum freien Einradfahren ist der Motivationsschub für die weiteren Trainingseinheiten. Dabei trainiert man mit diesem Sport wunderbar seinen Körper. Der Gleichgewichtssinn erfährt eine starke Schulung und durch das ständige Ausbalancieren werden Bauch und unterer Rücken gestärkt. Beine und Po werden optimal trainiert.

Je mehr all das geschieht, desto mehr wird auch die Seele zentriert. Es stellt sich ein Gefühl der Ausgeglichenheit ein. Man ist „in seiner Mitte“. Körperlich und seelisch. Und das sieht und spürt auch derjenige, an dem man auf dem Einrad – ganzheitlich ausbalanciert – vorbei radelt.           

Cornelia Mittermeyer
(erschienen in Ausgabe 30, März 2016)

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