Eine Art von Schwerelosigkeit

Für leidenschaftliche Freizeit­reiter liegt das Paradies auf dem Rücken der Pferde Für leidenschaftliche Freizeit­reiter liegt das Paradies auf dem Rücken der Pferde
Foto: Mittermeyer

Reitsport lässt Freiheit spüren und bietet Loslösung vom Alltagsgeschehen

„Das Paradies der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“. Wer kennt nicht dieses Zitat, dessen Herkunft nicht genau klärbar ist. Dessen Wahrheitsgehalt allerdings schon. Leidenschaftliche Freizeitreiter sprechen davon, reiten fühle sich an wie Freiheit und ein bisschen sogar, als würde man fliegen.  

Kein Wunder. Wenn man die Kunst des Reitens beherrscht und sich sicher auf dem Pferderücken fühlt, kann man sich bei wunderbaren Ausritten in die Natur das ganze Jahr über den Wind um die Nase wehen lassen, während man beinahe frei von Zwängen die Bewegungen des Pferdes spürt. 

Solange ein Mensch gesund ist und sich körperlich dazu in der Lage fühlt, gibt es für das Reiten lernen kaum Einschränkungen. Es gibt sogar Reitschulen, die sich auf ältere Reitanfänger spezialisiert haben. Ein Anfänger in dieser Sportart, egal ob Kind oder Erwachsener, wird natürlich auf einem ruhigen und zuverlässigen Schulpferd seine ersten Runden im Schritt, Trab und Galopp drehen. Erst wenn man gefestigt ist, kann man sich an Geländeritte wagen, wie der Reiter zu den Ausritten in der Natur sagt. 

Stürze vom Pferd können passieren. Damit sie glimpflich ausgehen, sollte man auf Sicherheit bedacht sein. Eine Reitkappe ist zwar keine Pflicht. Dennoch sollte niemand darauf verzichten. Zumindest bis man die entsprechende Sicherheit auf dem Rücken des Pferdes erlangt hat, ist auch eine Schutzweste empfehlenswert, die sowohl den Bauch- und Brustbereich, als auch den Rücken schützt. Zwar ist es möglich, in Jeans und Turnschuhen zu reiten. Eine angemessene Bekleidung ist aber durchaus empfehlenswert, da z.B. Nähte an normalen Hosen zu Abschürfungen führen können. 

Welche Reitweise man bevorzugt ist Geschmackssache. Unabhängig davon, ob man Westernreiten will oder klassisch, gilt immer zu bedenken, dass man bei dieser schönen Beschäftigung nicht einfach nur ein Sportgerät nutzt, das man nur richtig zu bedienen braucht, damit es gut und zuverlässig funktioniert. Sondern man hat es mit einem Lebewesen zu tun, das Bedürfnisse hat, die gestillt werden wollen. Erst wenn man genug über Pferde weiß, wird man auch mit ihm zusammen arbeiten können. Im besten Fall sind Pferd und Reiter ein Team, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann. Das Pferd ist ein Fluchttier, wird jedoch um so sicherer sein, je mehr es seinem Reiter vertraut. 

Reiten ist richtiger Sport. Die weit verbreitete Meinung, man sitze nur auf dem Tier und lasse sich tragen, ist falsch. Bei dieser Sportart geht es darum, mit den Bewegungen des Tieres zu fließen und zu schwingen. Das lockert die Wirbelsäule und das Becken, fordert aber auch eine aufgerichtete Haltung, um richtig schwingen zu können. Anfangs kann das zu Muskelkater in Bauch und Rücken führen. Beide Muskelpartien werden gut trainiert. Wie so oft, wenn man etwas Neues probiert, ist es anfangs nicht immer leicht. Doch je mehr man sich auf das Pferd und dessen Bewegungen einspürt, desto öfter wird man Erfolgserlebnisse haben. 

Bis es dann endlich so weit ist: Man sattelt und zäumt sein Pferd und reitet, natürlich vorerst nicht allein, vom Hof in die Natur – und dann spürt man es im Innen und im Außen: Man ist frei, man wird getragen, der Alltag kann einen nicht einholen. Eine Art von Schwerelosigkeit scheint einen zu durchströmen. Und das zu jeder Jahreszeit. Wenn im Winter der Schnee unter den Hufen staubt, genauso wie im Frühjahr, Sommer und Herbst. Reiten ist, als würde man Negatives ausatmen und Gutes einatmen. Das ist der Moment, in dem man den Beweis am eigenen Leib spürt: Das „Paradies der Erde“ reitet mit.                                  

Conny Mittermeyer
(erschienen in Ausgabe 29, November 2015)

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