"Der Ton macht die Musik"

Kommunikationsfallen können Anlass zum Ärgernis geben Kommunikationsfallen können Anlass zum Ärgernis geben
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Miteinander reden – Stolperfallen der Kommunikation vermeiden

In der Kommunikation kann es schnell zu Missverständnissen kommen. So kann mitten im Gespräch der Gesprächspartner plötzlich kühl, abwehrend oder beleidigt reagieren. Unbeabsichtigt ist man in eine Kommunikationsfalle getappt und aus dem anfangs netten Plausch ist ein Streitgespräch geworden. Das muss nicht sein!

Grundsätzlich sollte man sich darüber bewusst sein, dass man verbal und nonverbal kommuniziert. Nicht nur Worte und Inhalte, sondern auch die Körpersprache, wie Körperhaltung, Mimik, Gestik, als auch der vielfältige Einsatz von Stimme (Tonhöhe, Lautstärke, etc.), hinterlassen eine deutliche Wirkung. Ebenso ist jedes Gespräch, das ein Wechselspiel zwischen Sender und Empfänger ist, geprägt von Erfahrungen und Einstellungen. Auf jeden Menschen kann ein Wort, eine Geste, eine bestimmte Blickrichtung anders wirken, was leicht zu Fehlinterpretationen führen kann. Auch in der Mitteilung an sich kann es leicht zu Missverständnissen kommen. 

So kann ein Gespräch „quer“ verlaufen, wenn die Aussagen nicht konkret genug sind. Häufig wird der Inhalt ohne Bezug vorgebracht. „Da ist was Scharfes in der Suppe!“ ist an sich eine Feststellung. Es kann jedoch als Konfrontation empfunden werden, die sich in Form von Rechtfertigungen bis hin zu Vorwürfen „Wenn Dir das nicht schmeckt, koch doch selber!“ äußern kann. Mit „Das Scharfe in der Suppe kenne ich nicht! Kannst Du mir sagen, was das ist?“ kann der Gesprächspartner erfahren, um was es wirklich geht. Häufig unterstellt man dem Zuhörer, dass er schon weiss, was man meint. Ist die Aussage jedoch nicht klar genug formuliert, verführt dies den anderen zu eigenen Interpretationen. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, dass der Empfänger überprüft, ob er seinen Gesprächspartner wirklich verstanden hat. Ein Missverständnis kann vermieden werden, wenn das eben Empfangene in eigenen Worten wiederholt wird. „Habe ich Dich richtig verstanden, …?“ 

Achtung bei: „Das machst Du immer!“, „Nie hilft mir jemand!“, „Alles ist so anstrengend!“ Dies sind absolute Aussagen, die aus einer Mücke einen Elefanten machen. Ist es wirklich „immer“ und „alles“ so schlimm? Statt die Pro­bleme grösser zu reden als sie sind und den Gesprächspartner damit womöglich zu verletzen, macht es Sinn, die Situation klar zu beschreiben und zu begründen.

Gerade wenn es um einen emotional geladenen Inhalt geht, bei dem jemand einen Fehler begangen hat, ist es kontraproduktiv, auf ihn einzuwirken mit „Das hast Du falsch gemacht!! Du musst xy verändern!“ Diese Du-Botschaften werden vom Empfänger oft als Vorwurf oder Schuldzuweisung ausgelegt. Dadurch wird die erhoffte Veränderung in den Hintergrund gedrängt. Der Zuhörer zieht sich zurück oder geht aus Selbstschutz in die Verteidigung. Durch den Gebrauch von Ich-Botschaften, bei dem auch die eigenen Gefühle dargestellt werden, wird beim Gegenüber mehr Verständnis und Offenheit erweckt. Statt „Du überforderst mich!“ kann „Ich fühle mich überfordert“ ohne Anklage darstellen, wo man sich gerade emotional befindet.

Auch macht es Sinn zuerst zu erfragen, wie und weshalb der Gesprächspartner so vorgegangen ist und wie er die Sache jetzt sieht. Dadurch hat er deutlich mehr Raum, sich und seine Vorgehensweise darzustellen und es kommt mehr Verständnis für die Situation auf. Es öffnet sich ein Weg, neue Lösungen offener, leichter und effektiver zu beschreiten. In einer wertschätzenden Kommunikation sind also immer beide Gesprächspartner gefragt.

Die Basis ist ein „gesunder“ Umgangston – nach dem Motto „Der Ton macht die Musik“. Wenn jeder sich auch konkret ausdrückt und aktiv zuhört, können Missverständnisse vermieden werden und das Gespräch konstruktiv verlaufen.      

Amithra Helga Reithmaier
(erschienen in Ausgabe 29, November 2015)

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