Mit einem liebevollen Lächeln

Hände und Unterarme gleiten fließend und streichelnd über den Körper hinweg Hände und Unterarme gleiten fließend und streichelnd über den Körper hinweg
© Dron / fotolia

Eine Ganzkörperanwendung aus der Südsee vermittelt tiefe Entspannung

Die Massagetechnik mit dem klangvollen Namen Lomi-Lomi-Nui wird oft als „Hawaiianische Tempelmassage“ bezeichnet. Diesen Titel trägt sie zum einen, weil die Hawaiianer den menschlichen Körper auch als den „Tempel der Seele“ bezeichnen. Außerdem wurde sie ursprünglich von den „Kahunas“ – den traditionellen Heilern der pazifischen Inselkette – in Verbindung  mit energetisierenden Tanzbewegungen des Hula vermittelt.

In Europa wurde Lomi-Lomi-Nui erst Ende des 20. Jahrhunderts bekannt, vor allem als Wellness-Anwendung. Sie wird oft als „Kö­ni­gin der Massagen“ bezeichnet. Man ist dabei zwei Stunden unter den Händen eines liebevollen Therapeuten, der wie im Tanz mas­siert, dessen Hände und Un­terarme fließend und streichelnd über den Körper hinweg gleiten. Der ganze Rhyth­mus eines polynesischen Tanzes und die geballte Kraft der meditativen Hinwen­dung des Masseurs ste­cken in den wellenförmigen Be­we­gungen, die das Innerste nach außen kehren und vergessen machen, was vielleicht kurz zuvor noch wichtig war. Dabei ist die Massage durchaus kein reines Streichelpro­gramm. Der Thera­peut investiert seine gesamte Energie und setzt dabei auch schon mal gezielt den El­lenbogen ein, um Knoten, Span­­nungen und Stress zu sprengen. Dann gleiten die Hände wieder beruhigend über den Körper, um alles Nega­tive sanft über die Fin­ger, die Haar­­spit­zen und die Fuß­­soh­len hinaus zu streichen. Medita­tive Mu­sik im Hin­ter­grund wechselt zwi­schen sanften und kraftvollen Klän­­gen und un­ter­stützt das gefühlvolle Wech­sel­­spiel der Mas­sa­ge. 

Man findet die Lomi in den alten hawaiianischen Fa­milientraditi­o­nen integriert, um Menschen auf einen Neuanfang im Leben vorzubereiten. Jugend­liche werden z. B. währen der Pu­bertät damit unterstützt, um sanfter und unbeschwerter durch diese Lebens­phase zu kommen. Die­se Art von Körperarbeit wurde oft über mehrere Tage, je nach Bedürfnis des jeweiligen Men­schen durchgeführt. Dabei war es den „Kahunas“ wichtig, den Men­schen  die Ach­tung der Schöpfung und die Ver­bindung zu ihr nahe zu bringen und spürbar erleben zu lassen.

Die Aufmerksamkeit liegt im Besonderen darauf, mit weit ge­öffnetem Herzen, Demut und Acht­samkeit den zu massierenden Menschen anzunehmen und zu unterstützen. So bietet sich der Raum auf körperlicher, emotionaler, mentaler und spiritueller Ebe­ne, den Menschen für neue Wege zu öffnen und alte Probleme zu lösen. Ziel dieser Massage ist auch das Lösen alter Verspannungen und aktueller Blockaden, die oft ihre Ursache in schmerzlichen Erlebnissen oder Unfällen haben. Stress und alte Gedankenmuster, die im Zellgedächtnis des Körpers „gespeichert“ sind, sollen dadurch aufgelöst werden.

In Lomi-Lomi-Nui „nur“ eine  Mas­­­sage zu sehen, trifft den Kern der An­wendung nicht völlig. Da es auch sehr viel darum geht, den Körper zu dehnen und zu stre­cken, kann man eher von einer Ganz­kör­per­an­wendung oder von Kör­perarbeit spre­chen. Alle Gliedma­ßen und Gelenke finden dabei die gleiche Beach­tung! Lomi Lomi Nui ist also vielmehr ein reinigendes und harmonisierendes Ritual, das den Körper unterstützen soll, sich von belastenden Ener­gien zu befreien. Durch die tiefe Ent­span­nung wäh­rend der An­wen­­dung erlebt man sich intensiv im Körper. Man nimmt sich bewusst wahr, erlebt innere Har­monie und das Gefühl von Selbst­liebe und Gebor­gen­heit, das durch den Körper strömt. Der Geist kommt zur Ruhe und man kommt wieder in Kontakt mit sich selbst, mit dem Wesent­li­chen, mit dem Urzustand des Seins, wo man Vertrauen, Liebe und Frieden durch und durch spürt. Dann ist es leicht, sich selbst und der Welt wieder neu zu begegnen – mit einem liebevollen Lächeln.

Manuella Römer
(erschienen in Ausgabe 29, November 2015)

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