Veränderung macht Spaß

Gewohnheiten verändern, Automatismen unterbrechen Gewohnheiten verändern, Automatismen unterbrechen
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Eingefahrene Handlungsabläufe ablegen und neue Wege gehen

Was tut das menschliche Gehirn nicht alles, um den Alltag möglichst effizient zu gestalten. Zähne putzen, die Schaltung im Auto betätigen, die E-Mails abrufen – viele Dinge sind zu einer Routine geworden, deren Vorgehensweise wie von einem „Autopiloten“ gesteuert werden. 

Man muss nicht mehr im Detail nachdenken, sondern tut es einfach. Der Volksmund unterscheidet zwischen den „guten, nützlichen Gewohnheiten“, die Energie sparen, das Leben vereinfachen helfen und den „schlechten, alten Gewohnheiten“, derer man schon überdrüssig geworden ist und/oder die einen im Alltag binden. Das ist wie „Abnehmen wollen“, doch die Schokolade wandert immer wieder wie von alleine in den Mund. 

Die Frage ist, wie kommt man aus diesem Gewohnheits-Fahrwasser wieder heraus? Wie ist es möglich aus diesem Trott auszusteigen und neue Wege zu gehen? Eine wichtige Voraussetzung für Veränderung im Leben ist, dass man bereit ist, wirklich etwas ändern zu wollen. Dies bedeutet, sich der Änderung zu stellen, um dann das Wünschenswerte zu etablieren. Gewohnheiten sind im Gehirn wie gut befahrene Autobahnen, die unmittelbar auf bestimmte Reize reagieren. Je größer die Gewohnheit, umso unbewusster geschieht dies, so der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther. Wie schnell greift man wieder zur Zigarette oder wählt bestimmte Handlungen, um Gefühle oder Konflikte zu verdrängen? Ist man also bereit, seinem Leben neue Impulse zu geben, macht es Sinn, seine eigenen Programme, seine Gedanken und Gewohnheiten beobachten und bewusst zu machen.

Veränderungen gelingen am leichtesten, wenn man mit den Dingen beginnt, die man schon kennt – nämlich liebgewonnen Gewohnheiten. Fängt man an, sich im Alltag selbst auszutricksen um Dinge einfach mal anders zu machen, vermittelt man dem Gesamtbewusstsein: „Ich bin bereit und will mich ändern!“ Dies führt zu Ergebnissen, die mit weit mehr als der kleinen Gewohnheitsveränderung zu tun haben. So führte Professor Ben Fletcher von der University of Hertforshire (GB) mit seiner Kollegin Karen Pine zu diesem Thema ein Abnehmprojekt durch. Sie erstellten zwei Versuchsgruppen. Die erste Gruppe wurde nur aufgefordert, eingefahrene Handlungsabläufe in ihrem Alltag zu verändern und zu variieren auch ohne jeglichen Hinweise zum Thema Essen, während die zweite Gruppe sich eine Diät aussuchen und durchführen sollte. Dabei kam heraus, dass die Gewohnheitsveränderer bessere Abnehmerfolge vorweisen konnten, als die zweite Versuchsgruppe, die sich mit Abnehmen beschäftigte. Hieraus wird ersichtlich, dass es bei kleinen Gewohnheitsveränderungen nicht um richtig oder falsch geht, sondern darum, Automatismen zu unterbrechen und aus vertrauten Mustern auszusteigen, um sich diese wieder bewusst zu machen. 

Folgende Beispiele können unterstützen, Gewohnheiten zu knacken: Eine andere Art von Musik oder Fernsehprogrammen als sonst wählen oder die Zeitung von hinten nach vorne lesen. Den Weg zur Arbeit auf anderen Wegen fahren. Beim Spaziergang auch ein Stück rückwärts oder seitwärts gehen. Die Finger, Arme oder Beine einmal andersherum verschränken. Einfach mal eine Pause dann einlegen, wenn einem danach ist, am Familientisch die Plätze tauschen oder beim Essen das Messer links und die Gabel rechts halten. Beim Essen gewohnte Zutaten mit gesünderen austauschen, z.B. Nuss-Nougat-Creme mit einer selbstgemachten Nussbutter-Honig-Mischung. In einem unbekannten Geschäft einkaufen und neue Produkte und Geschmacksrichtungen ausprobieren.

Wenn man seine Gewohnheitsmuster unterbricht, kann das System Mensch erfahren, wie einfach es ist, etwas zu wandeln und dass Veränderung auch Spaß machen kann. Es geht auch nicht darum, womit man beginnt, sondern um das Wie und das Wann. Und die beste Zeit zu beginnen ist  – Jetzt!               

Amithra Helga Reithmaier
(erschienen in Ausgabe 27, März 2015)

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