Die heilende Kraft der Natur

In der Natur löst Aufbruchstimmung die Winterruhe ab In der Natur löst Aufbruchstimmung die Winterruhe ab
Foto: Dirk Schröder

Abseits der täglichen Hektik zu Harmonie und Balance finden

Der Frühling zeigt so deutlich wie keine andere Jahreszeit die Heilkraft der Natur. Aufbruchstimmung löst die Winterruhe ab. Samen gehen auf und entfalten ihre ganze Schönheit. Wer diese Energie nutzt, nährt sich, sein Umfeld und kann sein Potenzial entfalten. 

Nun liegen wieder die Düfte der Frühlingsboten in der Luft, Vögel zwitschern, die Sonne wärmt schon auf der Haut und die Tage werden länger. In dieser Zeit kommen viele Pflanzen aus der Erde, die essbar sind und unseren Körper nach der langen Winterphase wieder stärken können. Eine von ihnen ist der Bärlauch, der in den Mischwäldern den Boden bedeckt. Bärlauch-Pesto gilt als eine Delikatesse und die Schärfe putzt so richtig durch. Das Scharbockskraut liefert die nötigen Vitamine, die in der langen Winterpause entbehrt wurden, vor allem als es noch keine künstlichen Nahrungsmittel-Ergänzungen gab.

Um diese körperliche Reinigung wussten die Menschen, als sie noch eng mit der Natur verbunden waren. Sie kannten die Standorte der einzelnen Pflanzen und wussten, was giftig war und was Krankheiten heilen konnte. Immer mehr Menschen interessieren sich heute wieder für das alte Wissen, das bei vielen nativen Völkern noch bewahrt ist. Vermittelt wird es unter anderem in den Wildnisschulen. Lehrmeister sind die eigene Neugierde, Notwendigkeit, Freude und Begeisterung. Wer sich die Zeit nimmt und sich in der Natur ohne bestimmtes Ziel aufhält, einfach an einen Baum lehnt oder auf einen trockenen Platz ins Gras setzt, den Vögeln und dem Flüstern des Windes lauscht, der begibt sich in ein Feld, das heilen kann. Dieser Platz kann im Garten hinterm Haus sein oder im Park nebenan, er kann am Ufer eines Baches sein oder bei einer Pause am Gipfel eines Berges. An solchen Orten ist die Natur in Harmonie – in Balance. Alle Lebewesen haben darin ihren Platz und sind in Frieden. Diese Schwingung überträgt sich auf jeden Menschen, der bereit ist, ohne Wertung in diesen Naturraum einzutreten und darin zu sein. 

Besser als nur mit den Augen lässt sich die heilende Kraft der Natur über alle Sinne wahrnehmen – über das Hören, das Riechen, das Fühlen von Wind und Wärme auf der Haut. Wer dann noch den Blick weich werden lässt, so dass alles um einen herum unscharf erscheint, der kommt in einen Entspannungszustand, der mit der Quelle der Schöpfung verbindet und Harmonie in alle Zellen fließen lässt. Dann kann Heilung geschehen. Dies kann zu einem Erlebnis der Zeitlosigkeit werden, in dem Eingebungen kommen können. 

Die Ureinwohner Nordamerikas haben dies zu einem sehr kraftvollen Ritual ausgedehnt, das sich heute unter dem Begriff „Visionssuche“ immer mehr verbreitet. Dazu begibt sich der Suchende einige Tage und Nächte alleine an einen Platz in der Natur, an dem er sich wohl fühlt. Es sollte ein Ort sein, der Geborgenheit ausstrahlt und das Gefühl vermittelt, willkommen zu sein. So ist es möglich, wieder Teil der Natur zu werden und mit ihr zu verschmelzen. Das Gefühl der Trennung löst sich auf, Ängste treten immer mehr in den Hintergrund und Vertrauen breitet sich aus. Dies ist ein Zustand, in dem Antworten auf Fragen kommen, die der Suchende sich in der Zeit der Vorbereitung gestellt hat. Fragen zu Ereignissen in der Vergangenheit, Fragen zu Möglichkeiten in der Zukunft. Die Antworten kommen scheinbar aus dem Nichts. Es sind nicht so sehr hörbare Worte, als klare Empfindungen, gespeist von einer Weisheit, die in der Natur verborgen ist und für jeden Menschen offen steht. Die „Eintrittskarte“ ist das Verlangen nach einem „Gesicht“, einem „Bild“. Ja, das ist die Art mit der die unsichtbaren Kräfte kommunizieren, nämlich in Bildern und Empfindungen. Wer sich dafür öffnet, der kann Wunder erfahren und Heilung finden – Heilung für Körper, Geist und Seele.              

Dirk Schröder
(erschienen in Ausgabe 27, März 2015)

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