Familienmitglied Hund

Ein freudiges "Platz" durch ein reines Körpersignal Ein freudiges "Platz" durch ein reines Körpersignal
Foto: Privat

Die Beziehung muss immer vor der Erziehung kommen

Seit Jahrtausenden ist der Hund ein Freund des Menschen. Für die Ausbildung dieses Gefährten sollte mit großer Sorgfalt ein guter Hundetrainer ausgesucht werden, denn diese Entscheidung prägt das Leben des Hundes und das Zusammenleben mit der Familie enorm. 

Leider gibt es keine geregelte Ausbildung und Prüfung für Hundetrainer, was das Problem mit sich bringt, dass es immer noch Hundeschulen gibt, die mit Methoden arbeiten, die dem Tierschutz zuwider laufen. Es werden Strom- oder Stachelhalsbänder verwendet und sogar auf Pfoten getreten oder zugeschlagen, um Hunde gefügig zu machen. Solche verbotenen Maßnahmen sind keineswegs Ausbildungsmethoden sondern Zeichen der Überforderung, mit dem Hund artgerecht umzugehen und sollten ein absolutes Ausschlusskriterium sein auf der Suche nach einer guten Ausbildung für Hund und Besitzer. Ersthundebesitzern wird oft gesagt, dass es keine andere Möglichkeit gibt, und ein „kleiner Klaps“ nicht schadet. Durch Zufügen von Schmerzen und zu starken psychischem Druck werden Hunde gebrochen. Nicht selten werden durch dieses „Abrichten“ traumatisierte Hunde in Tierheilpraxen vorgestellt. 

Charakterstarke Hunde, die oft fälschlicherweise als dominant betitelt werden, brauchen einfach nur etwas mehr Zeit und Konsequenz um den Menschen als „intelligenten Leiter“ zu akzeptieren. 

Die wichtigste Basis für eine artgerechte Ausbildung, ist Hunde zu verstehen und somit ihre Körpersprache und ihre Grundbedürfnisse zu kennen. Eine Beziehung, die auf Angst vor Bestrafung basiert, ist völlig wertlos. Hingegen ist eine Beziehung zum Hund, die auf positiver Motivation aufgebaut ist höchst wertvoll, ehrlich und anhaltend!

Entgegen der veralteten Meinung, man müsse der „Alpha“ sein, ist dies gar nicht möglich. Es gibt keine soziale Rangordnung zwischen Mensch und Hund, denn diese wird durch die Verpaarung geregelt. Als Hundehalter hat man die Verantwortung für ein Lebewesen. Man sollte soziale Kompetenz ausstrahlen und in einer vertrauensvollen Beziehung Lebenserfahrung und Wissen vermitteln. 

Da die Beziehung immer vor der Erziehung kommen muss, ist es völlig sinnlos einen Hund zu maßregeln, der den Besitzer noch nicht als Partner akzeptiert hat. Auch ein „Platz“ ohne eine gute Beziehung wird niemals freudig ausgeführt werden. Umso schöner ist es, wenn sich ein Hund bei dem Signal für „Platz“ mit Schwung auf den Boden wirft und einen stolz und voller Freude anschaut, weil er in diesem Moment das wunderbare Gefühl hat, für seinen Partner Mensch der Beste zu sein. Wozu sollte eine Unterordnung des Hundes das Ziel sein, wenn eine Einordnung in das Team Mensch-Hund möglich ist? 

Ein Hund ist ein intelligentes Wesen, das in der Natur umfangreiche Strategien entwickeln muss, um an Futter zu kommen. Auch durch die soziale Rangordnung hat ein Hund bzw. ein Wolf in freier Wildbahn einiges zu tun. Allein mit diesem Wissen muss einem klar sein, dass ein Hund, dem das Futter im Napf vor die Nase gestellt wird, und lediglich spazieren gegangen wird, absolut unterfordert ist. Oftmals entwickeln sich aus Unterforderung und Langeweile blöde Angewohnheiten, wie ständiges Kläffen am Zaun, jagen von Joggern oder Radfahrern, übertriebenes Hüten der Familienmitglieder usw. Solche Verhaltensweisen sind nicht nur für den Tierhalter unangenehm, sondern können über längere Zeit den Hund krank machen. Es gibt gute Möglichkeiten einen Hund artgerecht zu beschäftigen – dies fördert enorm die Mensch-Hund Beziehung und sollte nicht nur als Lernphase für junge Hunde angewandt werden. Vielmehr haben es unsere Hunde verdient, ihr Leben lang artgerecht gehalten und beschäftigt zu werden.                        

Heidi Lechner
(erschienen in Ausgabe 25, Juli 2014)

Anzeigen