Kinder wollen lernen

Kinder wollen lernen
(c) Beth Orick / fotolia

Kontakt zur Natur fördert die junge Generation in der Entwicklung

Die Welt der Kinder und Jugendlichen hat sich verändert. Die modernen Medien und das elektronische Spielzeug halten immer früher Einzug in die Kinderzimmer. Die Verbindung zur Natur bleibt dabei auf der Strecke. Der bekannte Buchautor Richard Louv spricht von „nature defizit syndrom“, weil er festgestellt hat, dass der Verlust von Naturverbindung und die Flucht in virtuelle Welten zu bekannten Folgen wie Hyperaktivität, Sucht, Gewalt, etc. führen.

Die wachsende Gleichgültigkeit der jungen Generation gegenüber ihrer Umgebung kann überall beobachtet werden. Doch das ist nicht angeboren. Ein guter Umgang mit Kindern schafft für diese auch wieder einen natürlichen Umgang mit deren Umfeld.

Die Wissenschaft hat inzwischen bewiesen, dass durch Neugierde und Kreativität im Gehirn neue Verschaltungen hergestellt werden. Die Kinder begreifen buchstäblich ihre Umgebung, lernen auf diese Weise und verankern so die gewonnenen Erfahrungen mehr und mehr. Was diesen Wissensdrang weiter nährt, sind Fragen, die es den Kindern und Jugendlichen ermöglichen, ihre Antworten selber zu finden. Dadurch entstehen weitere Verbindungen im Gehirn, die dauerhaft gespeichert werden. „Hilf ihnen, es selbst zu machen!“ bringt es der Hirnforscher Gerald Hüther auf den Punkt. „Jede Antwort ist so, als würdest du einen Eimer Wasser über ein aufflammendes Feuer gießen!“ meint Jon Young aus Kalifornien, einer der bekanntesten Wildnistrainer. Und er weiß, wovon er spricht, weil er seit Jahrzehnten diese Erfahrung bei Kursteilnehmern jeden Alters macht. 

Aus Russland berichtet Wladimir Megre von einer Waldschule, in der Kinder ganz spielerisch lernen und ihr Wissen gleich an andere Kinder weitergeben. „Die Erkenntnis, wie man aus der Lösung einer Aufgabe eine Gewinnsituation für alle macht, ist eigentlich kein neues Wissen, sondern ein zurück  gewonnenes Wissen, das aus dem Vergessen wieder auftaucht.“ 

„Kinder wollen lernen, sie wollen wachsen“, fasst der Neurologe Gerald Hüther seine Erkenntnisse zusammen. Bei nativen Völkern auf der ganzen Welt ist dies zu beobachten. Die kleineren Kinder schauen auf die Größeren, weil sie das, was die älteren tun, auch können wollen und das oft noch besser. Es ist überall zu beobachten, dass Kinder das nachahmen, was sie in ihrem Umfeld sehen und hören. Wird respektvoll geredet, so lernen auch sie mit guten Worten zu sprechen. „Wichtig ist, dass eine Atmosphäre der Aufrichtigkeit vorherrscht. Kränkungen, Schimpfwörter und Beleidigungen aller Art sind zu vermeiden. Selbst schon Belehrungen wie „Unsinn!“ oder „Das hast du falsch gemacht!“ gibt es bei uns nicht.“ heißt es in der Waldschule. Dies ist auch in den Kursen der Wildnisschulen die Basis aller Kommunikation.

Nicht nur in der alten russischen Sprache gab es keine „schlechten“ oder Schimpf-Wörter, dies war bei allen nativen Völkern so. Allein dadurch, dass Erwachsene in allen Bereichen Vorbild sind, schaffen sie ein Umfeld, in dem sich Kinder wohl fühlen. Dann kann eine positive Entwicklung und Lernen wie von selbst geschehen.

„Notwendigkeit führt zu Lösungen!“ Diesen Ausspruch hat schon Iwan Pawlow (1849-1936) geprägt. Es ist der Nährboden, auf dem neue Erfahrungen keimen können. Damit ist klar, dass Kinder dann in ihrer Entwicklung weiterkommen, wenn wir ihnen etwas zutrauen, sie raus in die Natur lassen, damit sie die Welt um sich herum entdecken können. 

Quellen: Anastasia, Raum der Liebe, von Wladimir Megre, Govinda-Verlag; Gehirnforschung für Kinder, Gerald Hüther und Inge Michels, Kösel-Verlag; Das letzte Kind im Wald, Richard Louv, Beltz-Verlag; Coyote`s Guide, Jon Young und andere.

Dirk Schröder
(erschienen in Ausgabe 19, November 2012)

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