Kraftquelle Natur

Draußen in der Natur werden Computerspiele schnell vergessen Draußen in der Natur werden Computerspiele schnell vergessen
Foto: Schröder

Rückbesinnung auf altes Wissen weckt Freude und Begeisterung

Mit den „Wild­nis­schulen“ ist eine neue Bewe­gung entstanden, in der Men­schen wieder mit einem ganzheitlichen Blick auf die Dinge schauen und das alte Wissen verbreiten. Durch diese andere Perspek­tive wird die Natur zu einer Quelle der Kraft, die unsere Seele heilt.

Die Tage werden länger, die Natur beginnt ihren Zyklus aufs Neue, alles steht in den Start­löchern, um die ganzen Kräf­te zu entfalten. Die Vögel zwitschern und die Sonne wärmt schon auf der Haut. Als Frühlingsboten sind Schnee­glöckchen, Hyazinthen und Oster­glocken bekannt. Doch nun schau­en auch viele andere Pflanzen aus der Erde heraus, die essbar sind und unseren Körper nach der langen Winter­phase wieder fit machen. Doch wer weiß, welche es sind?

Wer das ganze Jahr über drau­ßen lebt, so wie die Naturvölker, der kennt solche Standorte und weiß, was von welcher Pflanze gegessen werden kann, welche Pflanze giftig ist und welche heilt. Ernten ohne zu säen, kostenlos und das zu jeder Jahreszeit – ganz frisch. Doch man muss nicht in die Ferne schweifen – auch bei uns liefert die Natur alles, was wir brauchen, wir müssen nur zugreifen. Wem es schon einmal gelungen ist, ein Feuer nur mit Ma­terialien aus der Natur zu entfachen, der hat voller Freu­de die ursprüngliche Geburt des Feuers erlebt und damit wieder sein eigenes inneres Feuer der Begeis­terung genährt. Wer aus einem einfachen Ast einen Bo­gen schnitzt und dann mit einem selbst gemachten Pfeil in kurzer Zeit sein Ziel trifft, der entdeckt ganz neue Fähigkeiten in sich. Wer sich aus Zweigen und Blä­t­tern eine Schutzhütte baut und darin schläft, wird Gebor­genheit erfahren und wird alte Ängste überwinden. Solche elementaren Erfah­run­gen geben Sicherheit, zeigen Fertigkeiten auf, die wie Samen tief im Menschen verborgen sind. Wenn die Zeit reif ist und der Boden bereitet, entfalten sie sich scheinbar von selbst.

Dieses uralte Wissen erfährt im 21. Jahr­hundert eine Renais­sance; vermittelt wird es unter anderem in so genannten Wild­nisschulen. Ziel ist es dabei, Kin­dern und Er­wach­senen den Kon­takt zur Na­tur wieder näher zu bringen, die Augen für die Vielfalt zu schulen, den Geist und das Herz für die inneren Schätze zu öffnen. Die Methoden der Wild­nistrainer sind anders als landläufig angenommen. Sie schaffen ein Umfeld der Freude, wecken Be­geisterung bei den Teilnehmern und nähren damit das Potenzial jedes Menschen, das sichtbar wird.  Diese Art der Unter­stützung wird „Co­yo­teteaching“ genannt. Es ist ein moderner Begriff für eine uralte Form des Lehrens, die bei nativen Völkern auf der ganzen Welt praktiziert wurde und wird. Wis­senschaftler wie Dr. Gerald Hüt­her und andere Hirnforscher haben inzwischen bestätigt, dass Lernen und Wach­sen auf diese Weise scheinbar von alleine geschieht und das sogar mit viel Freude und Krea­tivität.

In der Ausbildung „Wildnis­päda­gogik“ werden Menschen, die sich dafür interessieren, mit diesen Methoden vertraut gemacht und bekommen wieder einen ganzheitlichen Blick auf die Natur. Die  Rückverbin­dung geschieht dadurch fast automatisch. Bei den Angeboten der Wild­nis­schulen haben Kinder und Ju­gend­liche draußen in der Natur schnell ihre Computer­spiele, den Gameboy und iPod vergessen. Ihre Be­geis­terung wird geweckt, wenn es darum geht, Kartoffeln auf dem selbst entfachten Feuer zu brutzeln, wenn sie ihre eigene Essschale und Löffel mit der Technik des Glutbrennens herstellen können. Beim Schleichen sind sie mit Ruß und Matsch getarnt und verschmelzen mit der Natur.

Was jeder von der Zeit in der „Wildnis“ mitnehmen kann, ist die Achtung und der Respekt für alles was lebt, ein ganz neues Selbst­bewusstsein und einen neuen Umgang miteinander.  

Dirk Schröder
(erschienen in Ausgabe 17, März 2012)

 

Anzeigen