Die Kunst des Überlebens

Feuer machen auf Art der Naturvölker als Teil des Survival-Trainings Feuer machen auf Art der Naturvölker als Teil des Survival-Trainings
Foto: Paco Benoit

Survival-Techniken können ein völlig neues Lebensgefühl vermitteln

In unserer heutigen Welt mit ihrem atemberaubenden technologischen Fortschritt sind wir abhängig geworden von den Errun­gen­schaften der Zivilisation und der unbeschränkten Erreichbarkeit aller Dinge des täglichen Bedarfs. Trotzdem kann man unerwartet Situationen ausgesetzt sein, die erfordern, erfinderisch zu sein, um mit vorhandenen Mitteln und dem Wissen über die natürliche Umgebung die Zeit zu überstehen, bis Hilfe kommt.

Es muss nicht gleich eine Na­tur­kastatrophe sein wie z. B. ein Erdbeben mit verheerenden Fol­gen, es reicht ein Unfall in den heimischen Alpen, wo man als Wan­derer, Bergsteiger oder Mountain­biker unterwegs ist. Plötzlich steht man ohne Nahrung da, ohne Ob­dach, ohne direkte Hilfe. Das Handy im Gepäck vermittelt trügerische Sicherheit, denn nicht über­all hat man ein Netz oder der Ak­ku ist gerade dann leer, wenn man ihn am Dringendsten braucht. Es kann sehr wichtig sein, ein gewisses Grundwissen abrufen zu können, um solche Situationen meistern zu können. Das Internet ist voll von Angeboten über Survival-Trainungs oder Bücher darüber – dies zeigt, dass hohes allgemeines Interesse an dieser Thematik besteht.

Es geht um die Fähigkeit, eine nicht alltägliche Herausforderung zu meistern, eine Extremsituation zu überwinden, mit einem Mini­mum an Ausrüstung ruhig und gesammelt zu bleiben und das in der besten körperlichen und geistigen Verfassung. Survival kann dabei als spirituelles Erlebnis empfunden werden, denn es geht in hohem Maße auch um das Eins-Sein mit der Natur und um deren intensive Wahrnehmung. Bis heute leben Naturvölker weitestgehend ohne technologische Mittel. Dieses Wissen fließt in die Sur­vi­val-Techniken ein und man kann davon profitieren. Dazu gehört die Fähigkeit, wie man Wasser, Nah­rung, Schutz finden kann und Feu­er entzünden ohne technische Hilfsmittel, wie man sich orientiert und Rettungskräfte auf seine Po­si­tion aufmerksam macht. Dane­ben kann ein Survival-Trainung ein außergewöhnliches Freizeiter­leb­nis sein. Es lehrt, wie man als „moderner Mensch” unabhängiger werden kann von Technolo­gien. Es steigert das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, es vermittelt die Kunst, die Natur harmonisch zu nutzen und im Einklang mit ihr zu leben.

Jetzt könnte man fragen, ob es in Mitteleuropa tatsächlich erforderlich ist, über Fähigkeiten zu verfügen, die vielleicht eher im Urwald Amazoniens oder den peruanischen Anden ihre Berechti­gung zu haben scheinen. Nun – sinnvoll kann ein Survival-Training für jeden sein. Ganz sicher für Abenteurer und Extremsportler in der Natur, im Grunde aber für jeden Menschen in jedem Alter! Denn man kann nicht nur „vor der Haustür”, sondern beispielsweise auch bei einer Fernreise in eine unerwartete riskante Situation kommen, in eine Katastrophe geraten, in der – dramatisch ausgedrückt – das Wissen von wesentlichen Survival-Techniken den Un­terschied zwischen Leben und Tod bedeuten kann. Überlebens­training kann auch – außerhalb jeder Notlage – ein spannendes Freizeit-Abenteuer mit hohem Spassfaktor sein. Es ist geeignet für junge und ältere Menschen, für Manager genau so, wie z. B. für Handwerker oder Angestellte.

Wie auch immer – es schadet nicht, Grundwissen über Survival-Techniken zu besitzen. Im Alltag erscheint es zwar nicht erforderlich, zu sehr sind wir daran gewöhnt, komfortabel und sicher zu leben und jederzeit alles bekommen zu können. Trotzdem: Man sollte die Basis-Techniken lernen und üben, spezifisches Wissen aufbauen und z. B. bei Bergwan­derungen und -ausflügen einen kleinen Survival-Kit im Rucksack tragen, der im Notfall weiterhelfen kann. Im Extremfall gibt das Si­cherheit.   

Pako Benoit
(erschienen in Ausgabe 16, November 2011)

                           

 

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