Immer im Gleichgewicht

Die Fortbewegung auf dem Band hat etwas Künstlerisches Die Fortbewegung auf dem Band hat etwas Künstlerisches
© M. Siegmund / fotolia

Bei der Fun-Sportart „Slacklinen“ werden Balance, Konzentration und Koordination gefördert

„Wahre Ruhe ist nicht Mangel an Bewegung. Sie ist Gleichgewicht der Bewegung.“ Als Freiherr von Feuchtersleben das sagte, redete er nicht von Slacklinen. Doch auch auf diese spaßmachende Freizeitbeschäftigung trifft das zu. Sie ist eine Art Seiltanz. Im Gegensatz dazu benutzt man aber kein Seil, sondern ein Schlauchband und dieses wird auch nicht straff gespannt, sondern hängt – wie der Name schon sagt – leicht schlaff (englisch slack).

Neben dem Band, der sogenannten „Line“, benötigt man noch zwei Bäume, an denen man dieses befestigt. Da man sehr schlecht einschätzen kann, wie hoch die Belastung beim Tanz auf dem Band sein wird, empfiehlt sich die Befestigung an irgendwelchen Stangen nicht. Im Handel sind aber auch Befestigungssysteme zu bekommen. Um die Rinde der Bäume nicht zu beschädigen, benutzt man immer Baumschoner, die ebenfalls im Fachhandel zu erhalten sind.

Beim ersten Aufsteigen auf die Line sollte diese etwa 30 cm über dem Boden doch recht fest gespannt sein. Ein festes Band  schwingt weniger, so dass die ersten sanften Schritte erleichtert werden. Wenn der Untergrund keine Wiese oder ein anderer weicher Boden ist, ist eine Matte unverzichtbar.
Ob man anfangs einfach nur versucht, auf der Line sein Gleichgewicht zu finden, oder ob man sich leichter tut, wenn man schon einen Schritt wagt, bleibt jedem selbst überlassen. Die Eigendynamik des schwingenden Schlauchbandes erfordert in beiden Fällen, dass man sich ständig diesen Bewegungen anpasst. Es geht also nicht nur darum, seinen eigenen Körper auszubalancieren. Man muss ihn zusätzlich immer an die Bewegungen des Bandes anpassen. Das fordert den gesamten Körper und auch die Konzentration. Aus diesem Grund wird diese Fun-Sportart auch als  zusätzliches Training zu vielen Sportarten betrieben, die Körper- und Gleichgewichtisgefühl erfordern.

Von anfänglichen Schwierigkeiten sollte man sich keinesfalls demotivieren lassen. Wenn man seine Ziele nicht zu hoch setzt, wird man bald freudige Erfolgserlebnisse haben. Deshalb ist es wichtig, erst nur einen kleinen Schritt zu planen. Wenn man diesen auf dem wackeligen Untergrund erfolgreich absolviert hat, ist die Freude groß. Schnell wird aus diesem kleinen Schritt eine Schrittfolge. Man kommt mit seinem Körper irgendwann besser klar. Man erkennt ihn, ist beweglicher und stärker geworden. Ab dem Punkt geht es erst richtig los. Denn auch wenn die Slackliner sich ungern als Artisten sehen, hat es doch etwas Künstlerisches, wie sie sich auf dem Band fortbewegen. Da die ersten Könner unter den Slacklinern sich immer weiter fordern wollten, entwickelten sie verschiedene Steigerungen. So gibt es für Experimentierfreudige viele Arten von Schritten, Sprüngen und auch Spagaten. Es ist für jeden was dabei. Vom Anfänger bis zum Profi kann jeder beim Slacklinen sein eigenes Können ausbauen und weiter entwickeln. Das ist ein sehr schöner Pluspunkt. Man stagniert nicht. Man kann sich immer weiter verbessern und sich in verschiedenste Richtungen entwickeln.

Für die ganz Wagemutigen bestehen dann auch noch verschiedene Formen der Seile und der Befestigungen, wie z.B. „Lowline“, bei dem das Band mindestens 10 Meter lang ist, wodurch es weit mehr schwingt. Es gibt „Highlines“ in luftiger Höhe, „Darklines“, die im Dunkeln begangen werden und einige Möglichkeiten mehr.

Leidenschaftliche Sportler an der Line berichten, dass die Bewegung auf dem Band eine wunderbare Schule für das Körperbewusstsein und auch für die Konzentrationsfähigkeit ist. Einige sprechen gar von einem meditativen Sport, der unter freiem Himmel Körper und Geist in Balance bringt.                         

Cornelia Mittermeyer
(erschienen in Ausgabe 20, März 2013)

 

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